Wie schon im vorigen Jahr (da war es Prag) sind wir zu den Feiertagen aus Berlin geflüchtet und haben zu Weihnachten einfach nen Städtetrip gemacht. Wien sollte es dieses Mal sein, und wir waren echt beeindruckt von der schönen Stadt, der man vor allem zugute halten muss, dass sie sogar im Nebel und/oder Dauerregen wunderschön ist. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie es wohl mit ein wenig Sonne gewesen wäre *lach*.
Nein, ehrlich, mit dem Wetter hatten wir nicht so richtig Glück. Als wir Sonntag Mittag ankamen und uns nach dem Check-in im Hotel dann gegen 15.00 Uhr in die Innenstadt aufmachten, goss es in Strömen und hörte auch bis in die Nacht hinein nicht mehr auf. Wir haben das entspannt genommen, unsere Schirme gegriffen und sind trotzdem durch die Stadt.
Zunächst haben wir uns in der Kaisergruft etwas getrocknet und hatten da gleich eine Begegnung der unheimlichen Art. Nein, kein Habsburger ist auferstanden, sondern der etwas seltsame (und ich sags mal frech: geistig leicht behinderte) Pförtner hat uns begrüßt wie Ehrengäste, wollte unsere Hände schütteln, bedankte sich mehrfach für unser Kommen, machte nen Diener und lächelte uns so untergeben und geradezu hündisch an, dass wir etwas irritiert waren. Woanders wäre das der Beginn eines Horrorfilms gewesen. Immerhin ließ er uns umsonst hinein, so dass wir die 5€ Eintritt pro Person sparten, aber das war schon alles sehr ... strange ... Auf dem Weg nach draußen kamen wir später auch nicht einfach so an ihm vorbei, sondern wurden entsprechend verabschiedet. Ich frage mich immer noch, wen er dachte, dass er vor sich hat.
Später haben wir uns dann in die St. Peter Kirche verliebt, Barock as Barock can, prunkiger in Sachen Marmor, Fresken und Gold geht es kaum, trotzdem wunderschön und zum Verweilen einladend. Obwohl man mit den Augen kaum alle Details ausmachen konnte, was mich bei vielen anderen übertrieben geschmückten Kirchen nervt, hatte das hier eine eher beruhigende Wirkung. Sehenswerte Kirche, sollte man mal reingehen, wenn man in Wien ist. Tags drauf haben wir uns u.a. den Stephansdom und die Karlskirche angesehen - beide ebenfalls sehr schön. Nur im Stephansdom hat man innen drin eine Lichtinstallation eingebaut, die das Kircheninnere leicht psychedelisch angehaucht in lila-gelb-grün anstrahlte, was mich nicht so angesprochen hat. Ich hab denn auch immer Jim Carrey im Hinterkopf den Jefferson Airplane Song "Somebody To Love" singen hören *lach*. Und in der Karlskirche, die seit Jahren restauriert wird, hat man aus der Not eine Tugend gemacht. Den Lift, den man zur Restaurierung der Fresken in der Kuppel gebaut hat, hat man gleich stehen lassen und zum Panorama Lift ernannt, mit dem sich Besucher also ganz nah an die Fresken heran fahren lassen können. Leider war er außer Betrieb, als wir dort waren, ist bestimmt ein tolles Erlebnis. Allerdings hat das den nachteiligen Effekt, dass dieser Lift in der ansonsten hübsch-barocken Kirche wirkt wie ein Fremdkörper und den visuellen Gesamteindruck einfach stört.
(Hier in der Reihenfolge: St. Peter, Karlskirche und der Stephansdom von innen)



Schönbrunn und die Hofburg haben wir ebenfalls besucht, was in beiden Fällen eine schöne Tour war. Bei schönerem Wetter und vielleicht im Frühling oder so müsste Schönbrunn aufgrund des Parkgeländes besonders sehenswert sein. In der Hofburg kommt neben den zu besichtigenden Kaiserappartments auch eine sehr ausführliche Ausstellung der Silberkammer hinzu, die mir gut gefallen hat. Und natürlich das Sisi-Museum, durch welches wir allerdings hindurchgerast sind, weil wir den Stil dieser Ausstellung einfach nur schrecklich fanden. Dieser Personenkult um die Kaiserin, der hauptsächlich aus diesen schrecklichen Romy Schneider-Filmen resultiert, ruft bei mir nur Grauen hervor. Die Ausstellungsräume waren im dunklen Blau gehalten, man fühlte sich, als würde man durch ein Aquarium laufen, alles düster und deprimierend gepaart mit totalem Kitsch. Furchtbar. Leider muss man durchs Sisi-Museum, wenn man in die Kaiserapartments will...
Wo waren wir noch? Kirchen haben wir glaube ich keine ausgelassen *lach*, neben den bereits erwähnten haben wir uns die Minoritenkirche angeschaut, die fest in italienischer Hand ist sowie die Maria am Gestade. Ich glaub, in der Michaelerkirche waren wir auch, oh je, das waren so viele.
Ansonsten sind wir viel gelaufen, oftmals vor irgendwelchen Gebäuden mit lauter Ohs und Ahs stehengeblieben. Ist halt schön, eine europäische Stadt zu sehen, in der die alte Architektur so gut erhalten ist und eben nicht weggebombt wurde. Bei schönerem Wetter hätten wir sicher auch einen Spaziergang an die Donau unternommen, aber dank des dichten Nebels und der klammen Luft hatten wir schon Feuchtigkeit genug.
Unser Weihnachtsmenü am Heiligabend haben wir im Stadtgasthof Eisvogel gegessen. Direkt am Prater gelegen ist das ein etwas hochklassigeres Restaurant, in dem uns jeder Wunsch von den Augen abgelesen wurde, und das Essen war einfach nur ein absoluter Genuss. Der Wein auch, den Schwesterherz so gekonnt ausgesucht hat, dass man meinen konnte, der australische Shiraz (genau, wir haben keinen Österreicher bestellt) wäre eigens für das Filet Mignon mit Aniskruste gekeltert worden *lach*. Himmlisch. Nach dem Essen hätte man uns Richtung Hotel kugeln können. Stattdessen sind wir aber noch ein bisschen durch den spätabendlichen, nebligen und menschenleeren Prater gelaufen, was mich persönlich total angemacht hat. Gut, es war wirklich etwas unheimlich, teilweise überhaupt nicht sehen zu können, worauf man zuläuft, um dann plötzlich vor ner angeleuchteten Clownsfigur zu stehen, aber dieser fast einsame Spaziergang hatte was. Hat eigentlich nur noch der Zither-Sound gefehlt...
Ein Besuch in einem Wiener Kaffeehaus durfte natürlich auch nicht fehlen. Am Montag waren wir im Zuge der Hofburgbesichtigung bereits im Museumscafe und haben uns als "Lunch" Torte und Kaffee gegönnt, Dienstag ging es dann in das wirklich wunderhübsche Cafe Central, welches ich nur empfehlen kann, wenn man nicht nur auf was Leckeres aus ist, sondern auch die Architektur um sich herum bewundern möchte. Wir hatten Glück, der großflächige Hauptsaal war so voll, dass man den Arkadenhof geöffnet hat, in dem u.a. wir dann saßen, zwischen Säulen und verspielt verzierten Baldachins. Mal abgesehen von dem guten Essen konnte man sich nicht satt sehen an dem Raum, der eher venezianisches Flair versprühte.
Was mir generell an Wien sehr gut gefallen hat ist die Tatsache, dass man als Touri nicht das Gefühl vermittelt bekommt, abgezockt zu werden. Die Preise - egal ob Eintritt in Museen, Speisen in Restaurants und Cafés, etc. - sind wirklich moderat. In den Kaffeehäusern wird für den Kaffee in seinen vielen Spielarten auch nicht mehr verlangt als beim Starbucks um die Ecke, dafür ist die Atmosphäre aber natürlich eine ganz andere. Also Wien kann man sich leisten, auch wenn man 2x pro Tag irgendwo essen geht, da muss man nicht in ein McDoof ausweichen, um Kosten zu sparen.
Irrtierend dagegen fand ich diese Häufung an Pelzträgern. Ich meine nicht den Webpelzkragen an Mänteln oder das Kaninchenfellimitat. Sondern Mäntel/Jacken aus Nerz, Fuchs, Kaninchen und Zobel sah man zuhauf, und das waren nicht alles reiche russische Oligarchengattinnen... Naja, was einem halt so auffällt... Genauso wie - um wieder was Positives zu nennen - wir überrascht waren, so "unbefleckte" U-Bahnen vorzufinden. Entweder sind die Wiener allesamt braver als die Berliner, oder für Sprayer und andere Vandalen drohen derart drakonische Strafen, dass es das Problem in Wien halt gar nicht erst gibt.
Im Übrigen kann man Geld sparen, wenn man nicht direkt in der Innenstadt wohnt, das öffentliche Verkehrsnetz in Wien ist so gut ausgebaut, dass man wirklich überall hin kommt und das alles auch recht schnell. Von unserem Hotel Lucia im 14. Bezirk waren wir binnen 10 Min am Stephansdom mit der U-Bahn.
Um zum Schluss zu kommen: uns hats so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, in nächster Zeit ein zweites Mal nach Wien zu reisen, dann vielleicht eher im Frühjahr oder Sommer mit der Chance auf besseres Wetter.